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Ilias - Der Trojanische Krieg – Einband look inside

6. Ilias - Der Trojanische Krieg

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In diesem Band wird die Geschichte Trojas von der Gründung der Stadt bis zu ihrem Untergang im Trojanischen Krieg dargestellt, so wie sie durch die Mythologie überliefert ist. Der Anlass für die Auseinandersetzung, die Opferung der Iphigenie, die neun Kriegsjahre, die letzten Tage Trojas, die Geschichte vom Trojanischen Pferd. In einem Kapitel wird der «Ilias» Raum gegeben, die fünfzig Tage des Krieges beschreibt und den Zorn des Achill zum Thema hat. Das große epische Werk Homers wird hier in konzentrierter Form wiedergegeben, wobei besonders eindrucksvolle Passagen im vollen Wortlaut übersetzt wurden. Die sprachliche Schönheit der Dichtung ist an vielen Stellen überwältigend, so in der Abschiedsszene zwischen Hektor und Andromache und in der Schlussszene der «Ilias», in der König Priamos Achill um den Leichnam seines Sohnes bittet.

6. Ilias - Der Trojanische Krieg

 

Neu erzählt von Menelaos Stefanides
Mit 31 Zeichnungen von Jannis Stefanides
Übersetzung: Christina Tell
265 Seiten, ungebunden, Taschenbuch 16,5 x 11,5 cm

Ab 12 Jahren

ISBN-10: 9604250604, ISBN-13: 9789604250608

 

Hektor lief mit großen, ungeduldigen Schritten stadtabwärts. Er glaubte nicht mehr daran, dass er Andromache noch sehen würde und wollte deshalb durch das Skaiische Tor auf das Schlachtfeld zurückgehen.

 

„Hektor, du Hitzkopf, wo willst du denn hin?“, hörte er plötzlich eine vertraute Stimme hinter sich. Als er sich umdrehte, stand dort seine Frau, die Amme neben ihr hielt den kleinen Astyanax im Arm. Hektor lächelte, als er seine Familie sah. Andromache kam mit Tränen in den Augen näher, legte ihre beiden Hände in seine große und sagte:

 

„Dein ungestümes Wesen wird dich noch einmal töten! Hab Mitleid mit unserem Kind, du Narr, und mit mir, die du als Witwe zurücklässt. Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden sich alle Achaier zusammentun und dich mit vereinten Kräften erschlagen. Müsste ich dich aber verlieren, dann wäre es tausendmal besser für mich, mit dir zu sterben, als allein mit dem Schmerz weiterzuleben. Niemand mehr ist mir in dieser Welt geblieben. Mein Vater fiel durch Achills Schwert, wie auch alle meine Brüder. Meine Mutter geriet in die Sklaverei und wurde dann von der erzürnten Artemis getötet. Du, Hektor, bist für mich Vater und Mutter, bist mir Bruder und liebender Gatte. Hab Erbarmen mit uns und bleib hier auf dem Turm, mach unser Kind nicht zur Waise und mich zur Witwe. Lass nur das Heer am wilden Feigenbaum Stellung beziehen, dort, wo die Stadtmauern am leichtesten zu ersteigen sind und die tapfersten Argiver, die beiden Aias und die Atriden, schon dreimal versucht haben, die Stadt zu stürmen.“

 

„Glaubst du, liebe Frau, ich hätte nicht auch schon an all das gedacht?“, erwiderte Hektor. „Ich kann aber das Schlachtfeld unmöglich verlassen. Wie könnte ich meinen Männern oder ihren Müttern dann noch in die Augen sehen? Ich brächte es niemals übers Herz, so feige zu handeln. Man hat mich gelehrt, immer in der ersten Reihe zu stehen und Ruhm für mich und meinen Vater zu erwerben. Ich weiß aber auch, dass einst der Tag kommen wird, wo das heilige Troja untergeht. Priamos und unser ganzes Volk sind dann verloren. Nicht so sehr bedrückt mich aber das Elend der Trojaner, weder das von König Priamos noch das Unglück meiner würdigen Mutter oder meiner tapferen Brüder, von denen viele sterben werden, als vielmehr deine Not, wenn dich irgendein bis an die Zähne bewaffneter Achaier als Sklavin hinter sich herschleift und du bittere Tränen vergießen musst. Wenn du wüsstest, wie es mir bei dem Gedanken das Herz zerreißt, dass du im fernen Argos als Sklavin gebeugt am Webstuhl stehen oder, von drückender Not gezwungen, vom Brunnen Wasser heranschleppen musst. Wie mich die Vorstellung quält, dass jemand beim Anblick deiner Tränen sagen wird: ‘Das ist die Frau von Hektor, dem ehemals größten Heerführer der Trojaner.’ Und dich wird erneut der Schmerz überwältigen, denn derjenige, der dich retten könnte, lebt nicht mehr. Möge Zeus mir gewähren, dass viel Erde über meinem Grab liegt, damit ich deine Schreie nicht hören muss, wenn sie dich hinwegzerren.“

 

Er streckte die Arme nach seinem Kind aus. Der Kleine fürchtete sich vor dem glänzenden Helm und dem Rossschweif daran und schreckte zurück. Hektor und Andromache mussten lachen. Hektor nahm den Helm ab und stellte ihn auf die Erde. Danach nahm er seinen Sohn auf den Arm, küsste und wiegte ihn. Schließlich sagte er:

 

„Vater Zeus, lass meinen Sohn mir nachstreben, mach ihn zum Ersten unter den Trojanern. In Ehren soll er über ein starkes Troja herrschen. Ihr Götter, lasst das Herz seiner Mutter jubeln, wenn er als Sieger und mit reicher Beute aus dem Kampf zurückkehrt. Und sie soll glücklich sein, wenn sie die Leute sagen hört: ‘Dieser übertrifft noch seinen bedeutenden Vater.’“

 

Mit diesen Worten gab er Andromache das Kind zurück. Sie lächelte unter Tränen. Hektor strich ihr über das Haar.

 

„Ohne es zu wollen, habe ich dich traurig gemacht“, sagte er und setzte seinen Helm wieder auf. „Niemand kann sein Ende voraussehen. Der Feige und der Tapfere, beide entgehen ihrem Schicksal nicht.“

 

Hektor wandte sich zum Gehen, und das war sein letztes Lebewohl.


Textauszug aus dem Buch ”Ilias - Der Trojanische Krieg” von Menelaos Stefanides
Copyright © Dimitris M. Stefanides. Ein vollständiger oder teilweiser Nachdruck dieses Auszuges ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Verlages nicht erlaubt


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